Cn Belästigung, Panikattacke, Selbstverletzung, Triggererfahrung
In der Psychiatrie kann durch einen Schlüsselreiz ein Flashback ausgelöst werden. Die betroffene Person hat ein durch den Trigger ausgelöstes plötzliches, intensives Wiedererleben eines vergangenen Erlebnisses oder früherer Gefühlszustände, das kann so stark sein, dass die Person unfähig ist, sie als Erinnerung zu erkennen und erlebt sie förmlich als aktuelles Ereignis.
Dies ist die Definition eines Triggers in der Psychologie (Wikipedia)
Mich haben schon öfter Dinge leicht getriggert und dass schreibe ich leider sehr ernst gemeint und benutze es nicht wie viele „Meme-Menschen“ sehr ironisch (mache ich aber auch manchmal, meine es aber sehr anders). Doch vor kurzer Zeit passierte es so heftig wie noch nie.
Leicht triggernd ist es für mich Bilder/Videos/Situationen zu sehen in denen Menschen andeuten (oder es machen) sich zu ritzen. Viel Erfahrung habe ich zum Glück nicht mit Selbstverletzung, aber die zwei Male haben auf jeden Fall gereicht. Dann wird mir sehr unwohl zu mute und ich bin kurz vorm heulen/heule. Ich denke an die Situationen zurück in denen ich mich geritzt habe und überlege manchmal dann auch es wieder zu tun. Es dauert einige Zeit, schätze so um die Stunde wenn ich mich gut ablenken kann, bis es mir wieder besser geht.
Jetzt meine neue, starke Erfahrung mit einem Trigger. Wacken 2018 war es dunkel und ich stand alleine vor den Toiletten und wartete darauf, dass mein Freund zurück kommt. Ein Mann kam von hinten an mir heran und kam mir sehr sehr nahe, vorallem meinem Gesicht. Er sagte sehr unangenehme Dinge, an die ich mich nicht mehr erinnern kann und ich versuchte von ihm weg zu gehen. Er verfolgte mich. Ich sah nirgends Menschen und konnte keinen Ton von mir geben. Ich sah eine Gruppe die den Weg vor mir lief und ging schnell auf sie zu. Ich wusste zwar nicht ob ich ihn sagen könnte was passiert ist, aber sie werden mir hoffentlich helfen können. Der Typ bemerkte wohl, dass ich mir Hilfe suchen wollte und ließ von mir ab. Obwohl ich sah wie mein Freund zu mir kam, konnte ich einfach nicht stehen bleiben. Als er mich einholte brach ich in Tränen aus und konnte nicht sprechen. Erst als wir im Zelt waren erzählte ich ihm war passiert war. Ich konnte nicht einschlafen und als ich es doch irgendwann war erlebte ich in meinen Träumen die gleiche Situation nur mit einem grausamen Ende. Soviel zu der Vorgeschichte. Dieses Jahr waren wir auch in Wacken. Menschen die jedes Jahr nach Wacken kommen sagen Dinge wie „Wacken ist eine Lebenseinstellung“, „In Wacken sind alle Menschen total nett“, „In Wacken sehe ich jedes Jahr meine `Familie`“ etc. Mein Freund und ich sahen uns einen Rückblick des Festivals von einem Youtuber an. Auch dieser schwärmte mit ähnlichen Sätzen und ein Satz trigegrte mich ungemein und er hallt seitdem in meinem Körper wieder: „Wacken ist der sicherste Ort der Welt“. Ich bekam eine Panikattacke, weinte sehr viel und konnte mich bis irgendwann eingeschlafen bin nicht beruhigen. Ich hatte immer wieder die Flashbacks und dachte ich würde den Verstand verlieren. Es war grauenhaft.
Ihr dürft mich jetzt nicht falsch verstehen. Wacken ist kein schreckliches Festivial und auch die Besucher sind nicht grausam, es wird nur einfach alles glorifiziert und die negativen Dinge mehr oder weniger ignoriert. Ich mag die Musik die dort gespielt wird, offensichtlich sonst wäre ich nicht da. Aber ich möchte einfach aufzeigen, dass nicht alles super ist und was ich dieses Jahr problematisch fand:
- Ein Sponsor ist die Bundeswehr gewesehen. Sorry, das ist einfach scheisse. Die haben da für eine Karriere bei sich geworben
- Auf einmal Plasik verzichten (als Regel für die Essensstände), aber nicht richtig durziehen (siehe Plasikgabeln) + das Bühnenlich anlassen obwohl keine Band spielt (die Hauptbühnen an den Tagen vor Donnerstag) und die Scheinwerfer generell die ganze Nacht anlassen. Deren Versuch „grüner“ zu werden konnte ich einfach nicht ernst nehmen.
- Sexismus ist tief in der Metalszene verankert und es wird nichts dagegen getan (ist nicht direkt die Schuld des Festivals, aber die Enstehungsgründer bemühen sich viel um den Neuzugang und sollten desswegen meiner Meinung nach auch dort versuchen ein Zeichen zu setzten)
Das waren die drei Hauptpunkte. Nebenbei sei gesagt dieses Jahr hatte ich wieder eine creepy Begegnug, als ich nachts alleine vor den Toiletten wartete (diesmal nicht annähernd so schlimm und es waren auch noch andere Menschen in Sichtweite). Ein Mann stellte sich sehr dicht neben mich weil er sich „wärmen wollte und viel Körperwärme ausstrahle“. Als ich etwas weg von ihm ging, kam er noch näher. Und sobald mein Freund wieder da war, war ich quasi wieder beschützt.
Wie gesagt ich mag das Festival und die Aufmachung davon, aber es hat viele Probleme, genau wie andere Festivals auch. Ich sehe es realistisch und halte es für kontraproduktiv sich auf die positiven Dinge zu konzentrieren. Ich werde nächstes Jahr wieder hingehen und wer weiß, vielleicht dann ohne creepy Begegnung mit einem Mann in der Nacht vor den Toiletten. Und wenn doch habe ich vielleicht, dann den Mut etwas zu sagen.
